Archiv für Oktober 2009

Bekämpfung des Japan Knöterich mit heißem Dampf

Samstag, 03. Oktober 2009

Der japanische Staudenknöterich behört zu den problematischen, nicht heimischen Pflanzen (Neophyten). Dieses aus Fernost stammende Gewächs verbreitet sich zur Zeit in Mitteleuropa, den britischen Inseln und Vereinigten Staaten ungebremst und verursacht hierbei durch seine enorme Wuchsfreude große Schäden an Dämmen, Mauern und Straßen. Darüber hinaus verdrängt der Japanische Staudenknöterich (Fallopia Japonica) einheimische Wildpflanzen und gefährdet so schrittweise die Artenvielfalt (Biodiversität).

Im Westen von Baden-Württemberg beschäftigen sich seit dreißig Jahren öffentliche Stellen verstärkt mit diesem Problem. In der Ortenau wachsen die Gefahren für Dämme, da der Japan Knöterich die Grasnarbe geschädigt und so das Eindringen von Hochwasser in die Baustrukturen erleichtert, was fatale Folgen für deren Stabilität mit sich brächte.

Das Regierungspräsidium Freiburg berichtet nun von Versuchen mit heißem Dampf, um dem Japan-Knöterich Einhalt zu gebieten.
Konventionelle mechanische Methoden wie das Mulchen oder Mähen können die Bestände nicht vernichten, lediglich deren Ausbreitung hemmen. Das einzige aktuell zur Verfügung stehende Bekämpfungsmittel sind Breitband-Herbizide, also Chemische Präparate wie Round-Up, die jedoch nicht ungefährlich sind. So können diese direkt am Ufer aufgrund ihrer starken gewässerschädigenden Wirkung nicht eingesetzt werden. Zudem müssten sie mehrfach über mehrere Jahre verteilt flächig versprüht werden, um einen Japan Knöterich Bestand nachhaltig zurück zu drängen.

Aus diesem Grund hat sich das Regierungspräsidium Freiburg dazu entschieden auf größeren Flächen Versuche mit Heißdampf zu unternehmen.
Im September 2009 wurden hierfür ca. 500 Quadratmeter befallende Fläche 30 cm tief ausgebaggert, so dass die haupt-rhizom-tragende Erdschicht vollständig entfernt ist. Der mit Japan Knöterich-Wurzeln (Rhizome) verseuchte Abraum wurde in einem speziell präparierten Anhänger gedämpft. Die gedämpfte Erde wurde umgehend wieder ausgebracht und neu mit Gras eingesät bzw. renaturiert.

Der mit Steinen befestigte Uferstreifen wurde speziell behandelt. Da aufgrund der Stein-Befestigung eine Auskofferung nicht möglich war, wurden mit Sonder-Dämpfhauben die Flächen schrittweise abgedeckt und mit Heißdampf behandelt. Die behandelte Fläche wird seit dem vom Regierungspräsidium Freiburg (Herr Keller, Herr Martin) und der MSD GmbH (Möschle-Seifert-Dämpftechnik: www.moeschle.de), die den Versuch mitbetreut und das Dämpf-Ausrüstung sowie das Dämpf-Know-How zur Verfügung gestellt hat, kontrolliert.

In einem zweiten Schritt sollen dann, soweit aus Pflanzenteilen in tieferen, nicht behandelten Erd-Schichten erneut Stängel austreiben, partiell Tiefenbehandlungen durchgeführt werden, in dem Dämpflanzen nach einer Bodenlockerung bis zu 1m tief eingeführt und durch Dampf die verbliebenen unterirdisch liegenden Pflanzenteile abgekocht werden.

Ein vorab vom Abwasserzweckverband Offenburg (Herr Mohn) gemeinsam mit der MSD GmbH Anfang 2009 bereits durchgeführter Heißdampf-Bekämpfungsversuch lässt das Regierungspräsidium gute Erfolge erwarten. Dort wurden nach Oberflächen- und Tiefendämpfbehandlung nach einem halben Jahr weiterhin keine Austriebe von Japan Knöterich festgestellt.

Mehr Informationen zum Japan Knöterich hier in Wikipedia